Stefan Thiery

in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben, Bd. 78 (1984), S. 235 – 238

Das Fazit gleich vorweg: Ein trefflich gelungenes Werk! So hält man sich nach der Lektüre von »Straß« nicht zuerst bei inhaltlichen oder formalen Einzelheiten auf, sondern fragt nach den Gründen für die Güte des Ganzen. Zwei Momente haben dazu wesentlich beigetragen.

Zunächst kann eine Strasser Ortsgeschichte unter objektiv günstigen Voraussetzungen geschrieben werden, vor allem, wenn man die Größenordnung des Dörfchens bis 1946 bedenkt. Straß ist zum einen bevorzugt durch seine Lage in uraltem Siedlungsland, unweit eines großen Flusses, an bedeutenden antiken und mittelalterlichen Straßen, in der Nähe der großen Reichsstadt Ulm und der Reichsabtei Elchingen. In solchem Umfeld wird man geschichtlich eher fündig als anderswo. Straß besitzt zum andern differenzierte Strukturmerkmale; es ist nicht nur Dorfgemeinschaft/Gemeinde, sondern auch Pfarrei und Schulort. (Hinzu kommt, daß Straß aufgrund seiner explosiven Entwicklung 1946 ff. ausreichende Größe für ein vielfältiges Vereinsleben gewonnen hat.) Drittens kann sich eine Strasser Ortsgeschichte über die normalerweise in den Archiven vorhandenen Materialien hinaus auf Quellen stützen, die nicht überall zur Verfügung stehen. Zu denken ist hier an die Bodenfunde zur kelto-römischen Besiedelung und zur Alemannenzeit, an die chronikalischen Aufzeichnungen Elchinger Benediktiner, an den schriftlichen Niederschlag historisch interessierter ehemaliger Ortspfarrer. Letzteres spielt hinüber in das Gebiet der im Ulmer Winkel reichhaltigen lokalgeschichtlichen Literatur. Zweifellos vermehrt dies auch den Forschungsaufwand, bietet aber vor allem Stoff, – der nach dem Bearbeiter geradezu ruft.