Prof. Dr. Peter Rummel

in: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsgeschichte e.V., Jahrgang (1984), S. 413 – 414

In einer für eine Heimatchronik eines verhältnismäßig kleinen Dorfes hervorragenden Ausstattung erschien 1982 diese Ortsgeschichte von Straß. Hier spiegeln sich das Geschick und Können des Weißenhorner Verlegers Anton Konrad wider, der es versteht, jedem Buch, das aus seinem Verlag erscheint, eine ganz persönliche Note zu geben und es mit qualitätsvollen Illustrationen zu bereichern.

Anlaß für die Herausgabe dieser Ortsgeschichte bildete die Reform 1978, bei der Straß seine Eigenständigkeit verlor und nach Nersingen eingemeindet wurde. Anton Aubele hat sich mit viel Fleiß und Wissen dieser Arbeit unterzogen und ein „beispielhaftes Werk geschaffen“, das über Jahrzehnte hin die Erinnerung an die einst selbständige Gemeinde wachhalten wird. Der Inhalt gliedert sich in 13 Kapitel, die u. a. die keltorömische Siedlung, die Anfänge des heutigen Ortes, die Obrigkeit, Höfe und Sölden, frühere Kriege und Notzeiten, das Schulwesen und die Geschichte des Ortes, seiner Verwaltung und Vereine im 20. Jahrhundert behandeln.

Den Bistumshistoriker interessiert vor allem das kirchliche Leben; deshalb seien zu diesem 6. Kapıtel (S. 157-211) einige Hinweise und Anmerkungen erlaubt. Da für das Kapitel Weißenhorn noch keine Bistumsbeschreibung vorliegt, so ist der Kirchengeschichtler für jede Pfarrgeschichte dankbar, besonders, wenn sie solide auf Grund archivalischer Quellenforschung erstellt und mit Anmerkungen versehen ist, wie es Aubele getan hat. In Straß, das bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts zum Landkapitel Fahlheim gehörte, dürfte bereits um 1110 eine Kirche gestanden haben, die Maria geweiht war. Später – 1413 erstmals belegt – trat ein Patroziniumswechsel ein. Nun galt Johannes der Täufer als Patron der Pfarrkirche, die im genannten Jahr dem Kloster Elchingen inkorporiert wurde. Diese alte Kirche, die 1552 abbrannte und 8 Jahre später erneut errichtet wurde, mußte 1746 einem barocken Neubau weichen, der heute noch steht. Der Hochaltar stammt übrigens aus Fultenbach und ist eines der wenigen Überbleibsel der einst bekannten Abteikirche.

Bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts reicht auch die fast lückenlose Liste der Pfarrer zurück. In diesem Zusammenhang sei auf den sogenannten Generalschematismus verwiesen, der für eine Reihe von Straßer Seelsorgern zusätzlich das Weihejahr angibt. Was das kirchliche Leben im Laufe der Jahrhunderte betrifft, so spiegeln sich in der vorliegenden Pfarrgeschichte die Verhältnisse wider, wie sie im großen und ganzen in der gesamten Diözese herrschten. Das gilt für die Zeit im und nach dem 30jährigen Krieg, die von einer unvorstellbaren Not geprägt war. So pastorierten Religiosen von Elchingen die dezimierte Pfarrei. Ähnliches läßt sich für einen Großteil aller Bistumspfarreien aussagen.

Wenn im 18. Jahrhundert 4 totgeborene Kinder aus Straß zur Taufe nach Ursberg oder Elchingen gebracht wurden, so sind das Beispiele, die ebenso für Augsburg und andere süddeutsche Orte gelten. Beispielsweise taufte man zwischen 1686 und 1720 über 24 000 Totgeborene vor dem wundertätigen Bild des Gekreuzigten in Ursberg. Diese Hinweise mögen genügen. Zusammenfassend sei nochmals gesagt: Wer diese vorliegende Darstellung studiert, lernt – cum grano salis — nicht nur die örtlichen Zustände von Straß kennen, sondern darüber hinaus das kirchliche Leben in einem Großteil der schwäbischen Pfarreien des Bistums Augsburg.

Ein Anhang u. a. mit Nachweisen der besuchten Archive und der Literatur und ein ausführliches Register schließen das gelungene Werk ab. Auf eine kleine Korrektur im Vorwort sei noch verwiesen: Dr. Josef Matzke, langjähriger Pfarrvikar in Kadeltshofen, war nicht „Domprobst“, sondern Propst der St. Moritzkirche in Olmütz.

Man kann den heutigen Ortsteil Straß nur zu dieser Chronik beglückwünschen, desgleichen die Pfarrei St. Johann, deren Geschichte in dem vorliegenden Werk nüchtern, informativ, aber zugleich mit Liebe und Sachwissen dargestellt worden ist.